Der «Rosa Pfeffer» ist nur einer von vielen „falschen Pfeffern“. Doch der Begriff „falscher Pfeffer“ gefällt mir nicht. Er hört sich an, als unterstelle man einem Gewürz eine Art Betrug, als versuche sich eine Pflanze als etwas auszugeben, was sie nicht ist. Dem ist nicht so. «Falsch» sind diese «Pfeffer» weil das Bedürfnis oder die Gier nach Pfeffer auf den europäischen Märkten so gross war, dass versucht wurde, mit Ersatzprodukten die Nachfrage zu befriedigen.

Einer dieser «anderen Pfeffer» ist das Ingwergewächs Aframomum melegueta, dies der botanische Name; auf dem Markt wurde er als Guineapfeffer oder Meleguetapfeffer gehandelt. Ein dritter Name, der dieses Gewächs nicht als «falschen Pfeffer» erscheinen lässt lautet: Paradieskörner. Die Pflanze wächst in Westafrika, vor allem Ghana.

Als günstiger Pfefferersatz gelangten die getrockneten Samen über Nordafrika nach Europa. Mit der portugiesischen Kolonialexpansion kam das Gewürz 1486 von Benin über den Seeweg als «Guinea-Pfeffer» nach Lissabon. Der Seehandel mit den Paradieskörnern intensivierte sich, bis die portugiesischen Händler den Seeweg nach Indien unter Kontrolle hatten und sich nun in Kerala mit «echtem Pfeffer» eindecken konnten.

Der Geschmack der Paradieskörner ist pikant-scharf aber sie brennen nicht. Verwendet werden die Samen heute primär in der Küche der Maghrebstaaten, vor allem in der marokkanischen Küche. Sie eignen sich für Schmorgerichte mit langer Kochzeit. In Westafrika werden sie neben der Küche auch in der Medizin verwendet.

Spuren dieses medizinischen Aspektes vermute ich bei der Zugabe von Paradieskörnern in Magenbittern. Ansonsten hat der «Guinea-Pfeffer» für die europäische Küche seine Bedeutung vorläufig verloren. Ich schreibe «vorläufig» weil ich mir vorstellen kann, dass er mit dem Trend zu altertümlichen Rezepten, im Zuge der Slow-Food-Bewegung unter Umständen wieder eine gewisse Aktualität erlangen könnte – es gibt Rezepte für Würste, Biere und Lebkuchen, deren Bestandteil unter anderem Meleguetapfeffer ist.

Umso erstaunter war ich, als ich mir kürzlich eine Flasche Bombay Sapphire, einem 1987 lancierten Gin, geschmacklich mässig aber mit einem sehr schönen Design, genauer anschaute: Zu den zehn Ingredienzen dieses Drinks gehören «Grains of Paradise from Westafrica».