Ich konnte mir als Kind unter „Pfefferkuchen“ kein Süssgebäck vorstellen und nahm an, dass die Hexe aus ihrer Bösartigkeit heraus Pfeffer in den Kuchen gemischt habe. Irgendwann erfuhr ich dann, dass dieser „Pfefferkuchen“ nicht anders als „Lebkuchen“ ist.
Auch das französische Pain d’épices und das englisch Gingerbread gehören in diese Gattung von Gebäcken. Entsprechend gibt es auch unzählige, verschiedene Rezepte für diese süssen Gewürzkuchen.
Interessanterweise ist in deutschen Rezepten häufig Zimt in recht hohem Anteil vertreten, während dieser in ost- oder nordeuropäischen Rezepten fast oder ganz fehlt. Umgekehrt findet sich Pfeffer nur im Namen des deutschen Pfefferkuchens und wird nicht als Gewürz beigemischt, im Gegensatz zu Osteuropa, wo dieser tatsächlich für das Gebäck verwendet wird.

Ich überfliege auf doazmol-rezepte.ch einige Schweizer Lebkuchen-Rezepte aus Kochbüchern der Jahre 1901 bis 1932; Keines der dort aufgeführten Rezepte enthält Pfeffer. Auch den Luzerner, Aargauer und Baseler Lebkuchen scheint Pfeffer fremd zu sein und ganz spartanisch, der Berner Haselnusslebkuchen, der nur mit Zimt gewürzt wird.

Erste schriftliche Zeugnisse von kleinen gewürzten Honigkuchen wurden um 350 v. Chr. festgehalten, doch aus archäologischen Funden in ägyptischen Gräbern, weiss man, dass ihnen Honig-gesüsste Gebäcke bereits bekannt waren. Und auch die Römer kannten das Panis Mellitus, ein mit Honig überbackenes Brot. Diese Tradition wurde mit gewissen Innovationen in den mittelalterlichen Klöstern weitergeführt. Unter dem Namen „Pfefferkuchen“ wurde das Gebäck bereits 1296 in Ulm erwähnt. Im 14. Jahrhundert, ist vor allem der Lebkuchen aus Nürnberg sehr bekannt. Er hat seinen Ursprung im Kloster in Heilsbronn. Da die Lebkuchen oft in Klöstern gebacken wurden, in denen man auch Hostien herstellte, wurden diese gelegentlich auch auf Oblaten gebacken. Wegen seiner langen Haltbarkeit konnte er gelagert werden und von den Mönchen in Zeiten der Lebensmittelknappheit verteilt werden. Könnte hier ein Zusammenhang zwischen dem Märchen von Hänsel und Gretel und der Verwendung von Lebkuchen als Notnahrung liegen? In der Urfassung der Brüder Grimm, ist es nicht die böse Stiefmutter sondern die leibliche Mutter von Hänsel und Gretel, die ihre Kinder, nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Hunger in den Wald schickt. Der Akzent der Tragödie liegt also nicht auf dem Charakter der Mutter sondern in der Not, der Armut. Sprachgeschichtlich bedeutet „Leb“ im Wort Lebkuchen „Laib“ also ungesäuertes Brot, doch wahrscheinlich wegen seiner lebensrettenden Wirkung wurde der Name volksetymologisch als Lebens-Kuchen interpretiert.
Der Pfeffer- oder Lebkuchen ist ein Gewürzgebäck aber seltsamerweise wird bei seiner Herstellung kaum Pfeffer verwendet… Ob Pfeffer als „König der Gewürze“ vielleicht gleichbedeutend mit Gewürz war?