Als er mir sagte, die Pfeffermühle habe ein Peugeot-Getriebe aus Porzellan, konnte ich mit dieser Information nicht viel anfangen. Warum sollte ein Automobilhersteller etwas von Pfeffermühlen verstehen? Ich erinnerte mich dann, dass ich, ohne dem grosse Beachtung zu schenken, schon mehrmals Pfeffermühlen der französischen Automarke gesehen hatte. Was hat das auf sich?

Eine kurze Recherche ergab folgendes: Peugeot ist nicht ein Automobilhersteller, der auch Pfeffermühlen produziert, sondern eher umgekehrt: 1810 haben die Brüder Jean Pierre und Jean Frédéric Peugeot die Mühle, die sich im Familienbesitz befand, in ein Eisenwerk umfunktioniert. Das war ungefähr 20 Jahre vor der Take-Off-Phase der französischen Industrialisierung.

1840 brachte Peugeot ihre erste Kaffeemühle auf den Markt. 1855 folgte eine Gusseisenmühle, mit der neben Kaffee auch Hafer und Körner gemahlen werden konnten.
1874 begann mit dem Modèle-Z die Geschichte der Peugeot-Pfeffermühlen. Ob es sich dabei wirklich um die erste Pfeffermühle handelt ist umstritten. Fest steht aber, dass dieses Gerät die erste patentierte Pfeffermühle war. Es folgten weitere Modelle, die sich primär äusserlich vom Modèle-Z unterschieden: Das Modèle-Y (1879), die A, C und X-Modelle (1881) und so weiter. 1975 gab es bereits 23 Modelle in 70 unterschiedlichen Versionen: Zum Beispiel das gerade nur fünf Zentimeter hohe Bijou (1894), , die unterschiedlichen Poivrières laquées, also bunt lackierte Modelle, der 1930er Jahre, die poppigen Tahiti-Modelle ganz in der Ästhetik von 1968.

Es folgten dann Mühlen für Muskatnüsse, Salz, Chili und sogar für Käse. Die aktuellste Peugeot Pfeffer-Mühle ist die Elis Sense von 2011, eine elektrische Mühle, mit LED, die auf Berührung reagiert.
Das erste Auto, das Armand Peugeot, 1889 in Lizenz herstellen liess, der Peugeot Typ 1, war das dampfbetriebene Serpollet-Dreirad… Auto im weitesten Sinne, würde ich sagen.

Das Peugeot-Markenzeichen, der Löwe, ist übrigens auch im Zusammenhang der Kaffee- und Pfeffermühlen zu verstehen: Es geht nicht um die Geschwindigkeit des Raubtieres sondern das Gebiss symbolisiert die Kraft der Mühlen.
Dass frisch gemahlener Pfeffer viel besser schmeckt, ist offensichtlich. Die Mühle gehört daher zum Grundwerkzeug jedes Gourmets und findet sich auch mit dem Salzstreuer und der Serviette auf jedem Restaurant-Tisch.
Wobei… Ich erinnere mich an ein Geburtstagsessen in einem eleganten italienischen Restaurant in Nashville/Tennessee und an einen eher steifen Kellner, den man rufen musste, wollte man etwas gemahlenen Pfeffer. Er kam an den Tisch und mahlte die Körner über dem Teller.