Es war eine bescheidene, kleine Wohnung an der Hamburger Hafenstrasse, die Sicht auf den Hafen, atemberaubend. Mein Gastgeber war nicht bloss ein begabter Koch, sondern auch sehr am soziologischen Veränderungsprozess seines Quartiers interessiert. Im Zusammenhang mit der stattfindenden Gentrifizierung, bezeichnete er die reichen Zuzüger und Investoren gelegentlich als «Pfeffersäcke!»

Mir war dieser Begriff neu, ich verstand zwar was damit gemeint war, der Ursprung dieser Bezeichnung war mir jedoch nicht auf Anhieb klar. Die abwertende Bezeichnung sei ausgehend von den reichen hanseatischen Pfeffer-Händlern zu einem allgemeinen Begriff geworden, mit dem nun generell reiche Leute, Bonzen, bezeichnet werden.

Ich bin dem etwas nachgegangen und habe gelesen, dass das Wort ab dem 13. Jahrhundert nachweisbar ist und sich auf Händler bezieht, die mit dem Gewürzhandel reich geworden sind. Im mittelalterlichen Sprachgebrauch wurden mit «Pfeffer» alle Gewürze aus Übersee zusammengefasst. Ab dem 16. Jahrhundert wird der Begriff «Pfeffersack» allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen reichen Händler verwendet.

Als ich mir die geografische Verbreitung des Begriffs genauer anschaute, fiel mir auf, dass er nicht nur im Norden, in der Gegend Hamburgs sondern auch im Süden Deutschlands, bei Nürnberg häufig auftaucht. Dass es in einer Hafenstadt wie Hamburg viel Handel und somit auch reiche Pfeffersäcke gibt, leuchtet ein, doch was hat es mit Nürnberg auf sich? Nürnberg liegt zwar nicht am Meer und dennoch spielte gerade die geografische Lage eine wichtige Rolle bei der Etablierung dieser Stadt als Wirtschaftszentrum. Im Mittelalter lag die Stadt an wichtigen Handelsrouten und ab dem 14. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einer Wirtschaftsmetropole. Nürnberg wirkte als Bindeglied zwischen Italien, namentlich Venedig und anderer Wirtschaftszentren im Deutschen Reich.

Im 15./16. Jahrhundert war Nürnberg eine der grössten Städte des Reichs. Der Handel mit Metallen und Tuchen sowie mit Gewürzen, vor allem Safran und Pfeffer, blühten. Im Rahmen des Handels, bot der Marktplatz Nürnberg auch Geldwechsel sowie Darlehen an, was allmählich zum Entstehen eines Finanzmarktes führte. In Nürnberg und Augsburg befanden sich auch die ersten Börsen Deutschlands – an Pfeffersäcken fehlte es dort also gewiss nicht.