Dass es im Pfefferland gelegentlich zu Namensverwirrungen kommt, ist mir nicht neu. Gerade wenn es sich um Güter handelt, die räumlich und zeitlich weitgereist sind, können verschiedene Namen dieselbe Pflanze bezeichnen oder ein Name kann sich auf unterschiedliche Pflanzen beziehen.
Seltsam schien mir jedoch, dass ich bei der Suche nach Francis Buchanan, einer historisch klar definierten Persönlichkeit, bereits bei dessen Name verwirrt werde:

«Dr Francis Buchanan (15 February 1762 – 15 June 1829), later known as Francis Hamilton but often referred to as Francis Buchanan-Hamilton, was a Scottish physician who made significant contributions as a geographer, zoologist, and botanist while living in India. The standard botanical author abbreviation Buch.-Ham. is applied to plants and animals he described, though today the form „Hamilton, 1822“ is more usually seen in ichthyology and is preferred by Fishbase.«

Der Einfachheit halber, nenne ich den Mann schlicht Doktor Francis.
Nach der Niederlage des widerständigen Sultans Tipu und dem Fall Mysores, erhielt Doktor Francis den Auftrag, Südindien zu erkunden.
In seinem Reisebericht A Journey from Madras through the Countries of Mysore, Canara and Malabar (1807) beschreibt er wildwachsenden Pfeffer, den er im Urwald um das Dorf Kattige, nahe der Stadt Yellapur/Karnataka gesehen hatte. Weiter erzählt er, dass die Einwohner diesen Wald Menasukans nennen, was auf Kannada so viel wie Pfefferwald bedeutet.
In den vergangenen mehr als 200 Jahren wurden die Urwälder im Norden Karnatakas stark beschädigt und zurückgedrängt. Vor allem das Schlagen von Edelhölzern und anschliessend die Teak-Holz-Monokulturen haben zur Zerstörung dieser Wälder beigetragen. Auch das Bevölkerungswachstum und die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen haben das ihre zur Fragmentierung dieser Urwälder beigetragen. Erst vor einigen Jahrzehnten wurde damit begonnen, diese spektakulären Wälder oder was davon übriggeblieben ist, zu schützen. Der wilde Pfeffer hat sich immer tiefer in die letzten Wälder zurückgezogen.
Einem Artikel aus dem Deccan Herald vom 29. Oktober 2013 entnehme ich, dass im Wald des Dorfes Kattige nach wie vor wilde Pfefferpflanzen zu finden seien. Die Leute nennen den Wald heute nicht mehr Menasukans sondern Karibetta, was dunkler Wald heisst.
Anscheinend sammeln einige weniger Waldbewohner noch immer wilden Pfeffer und wilde Malabar-Muskatnuss (myristica dactyloides). Zum Leben reicht dies nicht, eher ein Nebeneinkommen – das ist wahrscheinlich gut so. Wer weiss, was passieren würde, wenn ein neuer Trend in den Regalen der westlichen Luxuskaufhäuser, die Nachfrage nach diesem antiken Zeugen des Pfefferhandels entfachen würde?