Während Pfeffer in den meisten westlichen Haushalten zu einem Alltagsgut gehört, zählen Nelken eher zu den Gewürzen, die man bei einer speziellen Gelegenheit kauft, zum Beispiel für Glühwein, und die dann jahrelang herumstehen und ihr Aroma verrauchen.
Ihr Duft erinnert mich an eine lange Schiffsreise von Jakarta nach Makassar. Indonesien ist eines der letzten Raucherparadiese und es gibt kaum einen Ort, an dem das Paffen nicht toleriert würde. Genüsslich schlotete ich auf der Überfahrt unzählige Dji Sam Soe 234, eine filterlose Nelkenzigarette mit unanständig hohem Teer- und Nikotingehalt.
Auf meiner Reise durch das Pfefferland stelle ich jedoch fest, dass dieses exotische Weihnachtsgewürz eine ähnliche Geschichte hat, wie der Pfeffer:
Erste historische Belege finden sich in China, im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitzählung, die Kaiser der Han-Dynastie verlangten von ihren Untertanen, dass sie, wenn sie den Kaiser ansprechen, Nelken kauen, um ihren Atem frisch zu halten.
Im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitzählung erreicht das Gewürz Rom und wird von Plinius dem Älteren beschrieben.
Die ersten archäologische Spuren sind weniger alt als die schriftlichen, sie finden sich in Sri Lanka und stammen ungefähr aus dem Jahr 1000.
Der wichtigste Umschlagplatz für den Handel mit Nelken war Oman, von wo aus das Gewürz nach Europa und Ostafrika verfrachtet wurde.
Bis ins 18.Jahrhundert wuchsen Gewürznelken nur auf den Molukken, einer Inselgruppe zwischen Sulawesi und Neuguinea.
Als die Niederländer ihre Marktstellung im Gewürzhandel mehr und mehr festigen und sich im südostasiatischen Raum breitmachen, versuchte die Vereenigde Oostindische Compagnie neben dem Muskat auch das Monopol auf dem Handel mit Gewürznelken an sich zu reissen.
Wie dem Pfeffer werden auch der Gewürznelke medizinische Wirkungen zu gesprochen. Doch nur wenige der heilenden Eigenschaften von Eugenol sind wissenschaftlich belegt: So konnte die analgetische Wirkung bei Zahnschmerzen nicht bewiesen werden (zumindest nicht ohne Beigabe von Zinkoxid). Dasselbe gilt für Fiebersenkung, vorzeitige Ejakulation und Abwehr von Moskitos. Unbewiesen ist auch die Behauptung, Gewürznelken würden den Blutzuckerspiegel senken. Dafür soll das Gewürz helfen, um Ameisen fernzuhalten… In der traditionellen chinesischen Medizin dienen Gewürznelken als Mittel gegen Schluckauf.
1770 ist es einem französischen Botaniker auf der Insel Ternate gelungen, Setzlinge zu entwenden und diese auf der Isle de France (Mauritius) und später auf Sansibar anzupflanzen.
Ironischerweise war der Name des Botanikers Pierre Poivre.